Bücher

Patti Smith: M Train – Poesie des Alltags

An meinem Tisch, flankiert von der Kaffeemaschine und dem vorderen Fenster, kann ich ungestört allein sein und mich meiner eigenen Welt überlassen. (Patti Smith, M Train – Erinnerungen)

Vor sechs Jahren erschien Patti Smiths autobiografisches Buch „Just Kids“ und wurde ein Bestseller. In ihren detaillierten Schilderungen ließ Smith nicht nur die New Yorker-Subkultur der sechziger Jahre wieder aufleben, sie gewährte uns auch einen Einblick in ihre Anfänge als Künstlerin, die sie mit dem Fotografen Robert Mapplethorpe bestritt. Wir dürfen an ihrer Gedankenwelt teilhaben, erleben sie bei der kreativen Arbeit und erfahren von ihren Sorgen und den Widrigkeiten, die das Künstlerdasein mit sich bringt. Bereits in „Just Kids“ versteht es Smith, dem Leben ein poetisches Moment einzutragen. Ihr Blick auf die Welt ist zärtlich und offenbart ein feines Gespür für das Wesentliche.
Wer es genossen hat, in Patti Smiths Welt einzutauchen, sollte unbedingt auch das zweite Buch der Musikerin lesen, das in diesem Jahr erschienen ist. „M Train“ handelt von Smiths Alltag, teilweise von banalen Dingen, von denen jedoch eine große Inspirationskraft ausgeht. Smith nimmt uns mit auf Reisen – nach Französisch-Guyana, nach Tanger, zu Frida Kahlos Haus oder Sylvia Plaths Grab, erzählt von ihren Lieblingsbüchern, den Dingen, Orten und Menschen, die sie berühren und geprägt haben. Wir begleiten sie durch Cafés und Bars, sind dabei, wenn sie im Café ’Ino in Greenwich Village sitzt, Vollkorntoast in Olivenöl tunkt, dazu schwarzen Kaffe trinkt und ihre Ideen auf Servietten niederschreibt. Die innere Ruhe der Autorin färbt auf die Außenwelt ab, keine Hektik, kein Lärm, die die Klarheit der inspirierenden Gedankenwelt trüben könnten. „Es ist nicht so leicht, über nichts zu schreiben“, heißt es direkt am Anfang des Buches – intensiver hätte das Nichts nicht eingefangen werden können.

Bild: © Kiepenheuer & Witsch